Wie wird man Spezialistin für Big Data und Business Intelligence?

„Eine BI-Spezialistin zeichnet sich meines Erachtens nach, durch eine hohe Expertise in einem bestimmten Feld im Business Intelligence (BI) Kontext aus. Beispielsweise kann man seinen Fokus eher im Frontend oder Backend setzen und sich zusätzlich auch auf bestimmte Produkte spezialisieren. Für das technische Verständnis und die Beurteilung gewisser Problemstellungen, muss ein technisches Grundverständnis vorhanden sein. Bereits das Studium bietet hier die Möglichkeit, sich grundlegend mit BI auseinanderzusetzen und vielleicht schon erste Erfahrungen in bestimmten Bereichen zu sammeln. Beispielsweise werden im Studium grundlegende Veranstaltungen zur Datenmodellierung oder Datenverarbeitung vermittelt.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit sich durch Wahlmöglichkeit bestimmter Veranstaltungen, Seminar-, Projekt-, Bachelor- oder Masterarbeiten ein noch breiteres und dediziert tieferes Wissen anzueignen. Im Zuge dessen, habe ich mich in meiner Masterarbeit vertieft mit BI-Architekturen auseinandergesetzt. Mit diesen Komponenten ist, meines Erachtens, nach der Grundstein zur BI-Spezialistin gelegt. Die Expertise kommt anschließend mit der Auseinandersetzung komplexer Problemstellungen im Projekt-Alltag. Mit dem Berufseinstieg lernt man somit das theoretische Wissen zu adaptieren und zu festigen. Zusätzlich kann dies auch durch eine Promotion unterstützt werden.“

Wie sieht ein typisches Projekt bei Ihnen aus und welche Kompetenzen aus Ihrer Studienzeit helfen Ihnen noch heute in komplizierten Situationen?

„Als BI-Beraterin habe ich auf meinen Projekten viel Kundenkontakt. Ich muss die Anforderungen des Kunden verstehen und gleichzeitig deren Umsetzbarkeit abschätzen können. Teilweise agiere ich als reine Schnittstelle zwischen dem Kunden und dem Entwickler, teilweise setzte ich die Anforderungen auch selber um. Rückblickend kann ich für mich sagen, dass mich das Studium nicht nur auf fachlicher Ebene, sondern auch auf persönlicher Ebene ausgebildet hat. Mit dem fachlichen Verständnis zeigt sich auch die Fähigkeit, sich schnell in neue Thematiken einarbeiten zu können. Dazu zähle ich insbesondere die Herangehensweise an Problemstellungen und die Fähigkeit sich mit diesen kritisch und multi-perspektivisch auseinandersetzen zu können. Zudem werden im Studium viele Aspekte abstrakter oder konzeptioneller behandelt, sodass dieses Wissen auf spezifische Aufgabenstellungen übertragbar und anwendbar sind. Hinsichtlich der Kommunikation mit dem Kunden und den Kollegen im Projekt, habe ich durch das Studium gelernt, mich gewissenhaft und domänen-spezifisch, d.h. auf einer betriebswirtschaftlichen oder technischen Ebene ausdrücken zu können.“

Welche Einblicke hat Ihnen Ihre Arbeit als studentische Hilfskraft an der UDE gegeben und können Sie noch heute davon profitieren?

„Damals habe ich mich gezielt bei dem Lehrstuhl „Wirtschaftsinformatik und Unternehmensmodellierung“ beworben, da mich dieses Themengebiet besonders interessierte. Im Rahmen meiner Tätigkeit am Lehrstuhl konnte ich einen tiefen Einblick in dieses Forschungsgebiet gewinnen. Ich habe Diskussionen über aktuelle Forschungsfragen mitbekommen und hatte zudem jeder Zeit einen Ansprechpartner für die Klärung eigener Fragestellungen. Im Zuge dessen, habe ich im Master auch einen Großteil der dazu angebotenen Lehrveranstaltungen gewählt. Auch heute profitiere ich noch von bestimmten Sichtweisen und der Auseinandersetzung bestimmter Modellierungstechniken. Zugleich konnte ich ein fundiertes Wissen im akademischen Schreiben und in der Auseinandersetzung mit wissenschaftlicher Literatur erlangen. Demnach hinterfrage ich auch heute noch die Qualität einer Quelle und setze mich kritisch damit auseinander. Begleitend zum Studium, habe ich somit tiefergehend gelernt, Fragestellungen aus einer wissenschaftlichen Perspektive zu reflektieren, zu formulieren und zu hinterfragen.“

Sie haben nach dem Bachelor auch den Master in Wirtschaftsinformatik gemacht. War dieser Schritt aus heutiger Sicht für Sie sinnvoll?

„Mit dem Bachelorabschluss stand für mich fest, dass ich den Master direkt machen möchte. Ich habe den Master als eine Möglichkeit gesehen, sich in bestimmten Bereichen zu vertiefen und den eigenen Schwerpunkt zu festigen. Mit der großen Wahlmöglichkeit an Veranstaltungen hat sich im Master auch das Interesse an Business Intelligence ausgeprägt. Aus heutiger Sicht war der Master somit mit der Grund dafür, dass ich heute im BI-Umfeld arbeite. Für mich persönlich war es nach dem Bachelorabschluss auch zu früh, um direkt in der Wirtschaft Fuß zu fassen. Dies ist jedoch von jedem selbst abhängig. Beispielsweise habe ich im Master auch ein Auslandssemester absolviert, was mir auch auf persönlicher Ebene viel gebracht hat. Aus heutiger Sicht erachte ich den Master-Abschluss somit als sehr sinnvoll für mich.“

Ihr Auslandssemester haben Sie in Schweden verbracht. Konnten Sie Unterschiede in der Lehre ausmachen?

„Das Leistungsniveau in Schweden würde ich schon als hoch und somit auch vergleichbar zu Deutschland bewerten. Ich habe insgesamt drei Veranstaltung absolviert. Die Teilnehmerzahl der Veranstaltungen war eher klein. Die Kurse waren somit kompakt und eher interaktiv gestaltet. Zudem gab es bestimmte Voraussetzungen zur Teilnahme an den Klausuren wie beispielsweise Gruppenarbeiten, wodurch ich auch mit schwedischen Studierenden in Kontakt kommen konnte. Der größte Unterschied war aus meiner Sicht, dass in Schweden eine Klausur für drei Stunden angesetzt wird, aber nur für eine Stunde ausgelegt ist. Demnach konnte man sich bei den Klausuren viel Zeit lassen, das kannte ich bisher so nicht.“

Was raten Sie heutigen Studierenden?

„Rückblickend rate ich Studierenden, die Angebote und Möglichkeiten der Universität im Auge zu behalten und auch in Anspruch zu nehmen. Sei es als Möglichkeit eines Nebenjobs, Auslandserfahrung oder Veranstaltungen und Gruppen für den Informationsaustauch und den Zusammenhalt. Zudem rate ich Studierenden, sich auf Themenbereiche zu fokussieren, die in dem persönlichen Interessensgebiet liegen und die Möglichkeiten der Universität zu nutzen, sich darin zu spezialisieren.“