Wie kann man sich die IT bei einem Konzern vorstellen, was für Prozesse sind IT-gestützt und welche Prozesse laufen weiterhin rein manuell ab?

Diese Fragen für einen Konzern zu beantworten ist recht schwierig. Einerseits haben wir Gesellschaften, die einen hohen Grad an Automatisierung haben und andererseits gibt es Gesellschaften, bei denen der überwiegende Teil der Aufgaben manuell erledigt wird. Der erste Gedanke könnte jetzt sein, alle Gesellschaften auf den gleichen Stand der Automatisierung zu bringen. Jedoch muss dabei immer das Umfeld der jeweiligen Gesellschaft berücksichtigt werden. Die Gesellschaft, die einen Großteil ihrer Aktivitäten manuell erledigt kann unter Umständen schlechter dastehen wenn alles automatisiert wird, weil beispielsweise die Kunden sehr oft die Anforderungen ändern. Durch die geringe Automatisierung kann dabei eventuell flexibler auf diese Anpassungen reagiert werden. Des Weiteren kann es auch sein, dass sich die Investitionen in die Automatisierung sich nicht lohnen, weil sich das Produktportfolio aktuell im Umbruch befindet. Beispielsweise bei Produkten für die Automobilbranche. Dort macht es dann wesentlich mehr Sinn die Automatisierung bei den neuen Produkten voran zu treiben und die alten Geschäftsbereiche unverändert zu lassen.

Gerade in der Holding wird jedoch der Großteil der Arbeiten manuell und überwiegend mit Excel und PowerPoint erledigt. In der Holding ist man auf Informationen aus allen Gesellschaften weltweit angewiesen und muss daher auch mit den ganzen unterschiedlichen Reifegraden zurechtkommen. Daher wird in der Regel auf den größten gemeinsamen  Nenner zurückgegriffen und das ist dann in der Regel Excel. Wobei es auch eine Vielzahl von Initiativen gibt, um dies zu ändern und wesentlich mehr über Business Warehouse Systeme abzudecken. Bis jedoch alle Gesellschaften damit arbeiten vergeht in einem Konzern doch einige Zeit.

Wie sieht Ihr typischer Tagesablauf in Ihrem Job aus und mit wem arbeiten Sie dabei zusammen?

Die Themenschwerpunkte unterscheiden sich stark nach dem jeweiligen Zeitpunkt im Monat beziehungsweise im Jahr. Gerade rund um den Monatswechsel oder während der Planungszeit liegt der Fokus klar auf das Controlling und der monatlichen Berichterstattung aus den anderen Bereichen. Ansonsten kommt immer alles recht spontan, je nachdem welchen Themen aktuell dringlich sind.

Der Tagesablauf selbst richtet sich vor allem nach den Personen mit denen ich zu tun habe. Wir haben weltweit Mitarbeiter die wir fachlich führen und die uns dementsprechend zuarbeiten. Dadurch beschäftigen wir uns vor allem vormittags mit Asien, wohingegen nachmittags eher Nord- und Südamerika anstehen. Die Abstimmungen mit den höheren Managementebenen finden dann in der Regel eher abends oder früh morgens statt, weil das die einzigen Zeiten sind, an denen Termine kurzfristig verfügbar sind. Tage an denen ein Meeting an das andere gereiht ist versuche ich möglichst zu vermeiden, um auch für das Team möglichst kurzfristig erreichbar zu sein. Das in einem Konzern umzusetzen ist jedoch nicht immer ganz einfach. Von daher ist mein Tag überwiegend fremdgesteuert stark von den beteiligten Personen abhängig.

Welche Kompetenzen aus dem Studium helfen Ihnen heute in diesem Job?

Am meisten bringen mir die schnelle Auffassungsgabe und das Erkennen von Zusammenhängen. Gerade in einem Konzern werden Themen in der Regel nicht einzeln abgearbeitet und abgeschlossen, sondern werden gleichzeitig mit vielen anderen Themen angegangen. Die Herausforderung dabei ist bei den Themen jeweils einen Überblick zu haben und die Abhängigkeiten untereinander zu identifizieren und koordinieren zu können. Dabei hilft es, dass im Studium eine Vielzahl von Themen behandelt werden und die Studierenden diese kritisch hinterfragen und mit dem bereits gelernten in Verbindung setzen müssen. Vor allem bei ganz neuen Themen hilft es schnell einen Überblick zu haben und das Neue mit bereits Bekannten abzugleichen und in Verbindung zu setzen.

Auf der fachlichen Seite haben mir vor allem die Kenntnisse sowohl aus den Wirtschaftswissenschaften, als auch gleichzeitig aus der Informatik oft geholfen, weil die Vermittlung zwischen diesen beiden Themen dadurch wesentlich leichter fällt und das Verständnis für beide Seiten vorhanden ist. Mein IT-Controller sagt immer „Ihr IT-ler drückt euch echt komisch aus“ und mein IT-Chef entgegnet immer „Die Controller drücken sich extra so kompliziert aus, dass ihnen keiner mehr folgen kann“. Durch das Studium verstehe ich jedoch beide Seiten sehr gut.

Sie sind bereits nach dem Bachelorstudium in den Beruf gestartet. Was würden Sie den jetzigen Bachelorstudierenden empfehlen, wenn sie überlegen nach dem Bachelorabschluss in den Job zu starten oder doch noch den Master zu machen?

Ich habe im dritten Semester den Rat bekommen mir auf jeden Fall einen Nebenjob zu suchen, der auch etwas mit meinem Studienfach zu tun hat. Die Erfahrungen, die ich als Werkstudent gesammelt habe haben mir sehr bei den Bewerbungsgesprächen für den Berufseinstieg geholfen. Besonders bei den Fragen im Assessment bezüglich spezifischen Situationen, wie man sich verhalten und wie man sich dabei fühlen würde, konnte ich super sowohl auf Erfahrungen aus dem Studium, aber auch aus dem Berufsleben zurückgreifen und damit verschiedene Facetten aufzeigen. Möglichst früh eine Werkstudententätigkeit würde ich aber nicht nur Studenten empfehlen, die nach dem Bachelor in den Job starten wollen, sondern auch denen die direkt den Master machen möchten. Für meinen Bruder ist es beispielsweise schwieriger erst jetzt am Anfang des Masterstudiums einen Werkstudentenjob zu finden, weil die Firmen entweder Studenten aus niedrigen Semestern oder aber welche mit Erfahrung bevorzugen.

Aber auch die Bachelorstudierenden, die nach dem Bachelorabschluss in den Job starten wollen, sollten überlegen, ob sie den Masterabschluss nicht vielleicht doch nebenberuflich machen. Dadurch, dass ich bisher nur innerhalb des Konzerns gewechselt bin zählten recht schnell meine Erfahrung und mein persönliches Netzwerk mehr, als wenn ich den Masterabschluss zusätzlich hätte. Sobald man jedoch das Unternehmen wechseln möchte, kann sich der Masterabschluss bezahlt machen. Ich habe beispielsweise direkt mit dem Berufseinstieg mit dem Master an der FernUniversität in Hagen angefangen, um ja nicht aus dem Lernen herauszukommen und mich nicht im Nachhinein zu ärgern, dass ich den Masterabschluss doch nicht gemacht habe.